Thema

3. April 2008

Pro und Contra: Office Toys

Der Anblick lässt Sie verzückt lächeln oder bald panisch aufschreien: da ein Monster, dort ein Bulldozer. Dabei sind wir doch im Büro! Was es mit dem Hang zum Spielzeug auf Schreibtischen und Bücherregalen auf sich hat und was nicht, lesen Sie hier.
Pro und Contra: Office Toys
Foto: Andrea Hirsch
Pro: Platz ist auch am kleinsten Schreibtisch…

Ich weiß, hip ist heutzutage anderes. Taffes Leben, taffe Karriereplanung, taffer Job – und das alles manifestiert sich auf dem designten Präsentierteller eines ergonomischen Arbeitsplatzes. Dort, wo nicht nur abstrakt, sondern ganz konkret, gemessen an Quadratmeterkosten, in erster Linie Effizienz und Organisiertheit den Ton angeben, ist wenig Platz für Privacy.

Doch, liebe Leser, Platz für "sentimental mood" ist auch am kleinsten Schreibtisch!!!! Und wenn Sie es erst einmal ausprobiert haben, werden Sie sie lieben: die kleinen Devotionalien vergangener Triumphe, liebgewonnener Erinnerungen und Manifestationen verborgener Schrullen. Immerhin lassen die Sie – erkennbar als Individuum – herausragen aus der grauen Masse uniform unterdrückter Büroselbstdarsteller!

Abgesehen davon werden es Ihnen auch Ihre Kollegen danken. Schnell erkennen diese, mit wem sie es zu tun haben, sobald sie einen Blick auf die kleinen, verräterischen Spuren unbewusst (oder doch bewusst?) ausgelegter Signale werfen.
Immerhin – hier menschelt es! Wogegen man bei einem Typ im cleanen Surrounding nicht so eindeutig erahnen kann, an wen man geraten ist….

Dafür rufen mein abgegriffenes Anti-Stress-Weißer-Hai-Squeezy, mein singendes Rentier und mein winkender George W. Bush "Seht her, so bin ich einfach!". Man verzeihe mir somit die inkorrekte Abweichung vom Original, aber ich bin der Meinung: toys on my workplace, ergo sum.

Rudi Binder

Contra: Kein Sielzeug, aber alles Zeug zum Spielen...

Mich lenkt der Krimskram ab. Der von den anderen kann einen mitunter peinlich berühren, muss das sein? Für meine Konzentration brauche ich einen "clean desk" (oho, so eine bin ich!, denken Sie, unsympathisch!), für die Inspiration den Blick aus dem Fenster: Glück gehabt mit dem weiten Himmel überm Park da draußen.

Außerdem bin ich rücksichtsvoll. Bin keine, die mit Mitbringseln aus der Antarktis Neid erregen oder auf Trophäen aller Art – vom privaten Glück, vom x-tremen Freizeitsport – angesprochen werden will. Als working mom ist fürs gemütliche Sich-Einrichten im Büro sowieso wenig Zeit. Und warum das Bürodesign nicht für sich – und mich – sprechen lassen, schön pur?

Also bleibt das Spielzeug zuhause. Da gibt es nichts Entspannenderes und Amüsanteres als dem Kinde dabei zuzusehen, wie es die halbe Wohnung samt Home Office in (s)ein Atelier und All-over-Depot verwandelt – und die kunstvollsten Installationen baut. Mit allem was es so finden kann. Jetzt und unbedingt.

Es faszinieren banale Gebrauchsgegenstände. Schwuppdiwupp werden sie uminterpretiert, mit klassischem Spielzeug kreativ kombiniert. Was für Ideen, wie anregend, wie ernsthaft! Wie heißt es doch: das Spiel ist die Arbeit der Kinder. Und Sie dachten schon, ich wäre ganz und gar nicht verspielt.

(PS, ach ja: Sie haben keine Kinder? Dann laden Sie die von Freundinnen oder Kollegen ein. So machen Sie sich unglaublich beliebt, sicherlich!)

Dora Marquard